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Auszüge aus dem Protokoll der Nordtagung


Freitag, 6. Januar 2012

Der Vorsitzende der Ausrichter-Hauptgruppe, Uwe Haberland, begrüßt die Tagungsgäste aus den 8 Norddeutschen Hauptgruppen Bremen, Hannover, Mecklenburg, Nordelbien, Oldenburg, Osnabrück, Ostfriesland und Pommern, sowie je einen Gast aus Westfalen und Kurhessen Waldeck. Insbesondere heißt er die referierenden Gäste herzlich willkommen: den Generalbischof aus der Slowakei, Dr. Klátik, den Bischof der Evang. Kirche AB aus Polen, R. Bogusz, Altbischof K.-L. Kohlwage aus Lübeck, Pastor Edwin Pech aus Wang in Polen, die stellvertretende Präsidentin des GAW, Prälatin Gabriele Wulz aus Ulm und den Generalsekretär des GAW aus Leipzig, Enno Haaks mit 3 Stipendiaten und Stipendiatinnen aus Brasilien, der Slowakei und Tschechien. Um 17 Uhr Oberkirchenrat V. Thiedemann (der sich aus der Rostocker Synode gelöst hat und wieder abends dorthin zurückfährt.)
Der Pastor loci, Dr. Holtmann, der mit den Tagungsteilnehmern am Sonntag den Gottesdienst in der Christkirche halten wird, heißt alle Gäste willkommen und bekundet seine Sympathie mit dem GAW, zumal auch seine Ehefrau Dorothea, geborene Frauboese, GAW Praktikantin gewesen ist (in Slowenien) und wünscht Erfolg beim Bauen und Pflegen von Brücken in die Diaspora. Weitere Gäste bekunden Freude und Dankbarkeit, dass sie eine Einladung zur Tagung erhalten haben und wünschen derselben einen harmonischen und ertragreichen Verlauf.

Der Tagungsablauf am 6. Januar sieht im Weiteren vor:

A. Austausch über aktuelle Fragen – Ideenbörse mit empfehlenswerten HGr.-Aktionen
B. Vortrag Bischof K.-L. Kohlwage „Rückblick auf die Nordelbische Ev.-Luth. Kirche“
C. Vortrag OKR Volker Thiedemann: „Die Evang.-Luth. Kirche im Norden“
D. Abendandacht (Bischof Karl-Ludwig Kohlwage)
E. Kleines Musikprogramm


A. Austausch - Ideenbörse

Summarisch werden benannt mit dem Ziel, dass das GAW besser in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird:
  • Intensivere Nutzung moderner Medien, insbes. Internetauftritte, Homepages. Jedoch wird betont: Sie müssen gut gestaltet und aktuell sein.
  • Durchführung eines Diasporatages, zusammen evtl. mit dem Martin-Luther-Bund (MLB) mit inhaltlichen Schwerpunkten und Gästen aus der Diaspora oder Gemeindefest mit Thema Diasporaarbeit. Überhaupt muss das GAW in den Kirchengemeinden präsenter werden!
  • Einsatz einer neuen CD aus der Zentrale in der Kinder- und Konfirmandenarbeit – Empfehlung durch Haaks
  • In Westfalen wird eine DVD über das GAW produziert
  • Wo immer möglich: Persönliche Kontakte mit Gemeinden in der Diaspora pflegen, Begegnungen organisieren, Partnerschaften ausbauen
  • Frauenarbeit intensivieren: Informationsabende, Veranstaltungen, Vorträge mit Gästen aus der Diaspora - ein dankbarer Bereich, Fest der Frauenarbeit in größerem Rahmen – Hauptgruppen-übergreifend.
  • Sich an Traditionen erinnern, sie pflegen, Kontakte zu Rathäusern aufrechterhalten.
  • Gutes Verhältnis zu Printmedien anstreben, interessante Artikel liefern, öffentlichkeitswirksam sein.
  • Die Diasporaarbeit im Theologiestudium und in der Vikarsausbildung zum Ausbildungsthema machen, damit die Pastoren das GAW kennen.
  • Mit den Jahresfesten von Kirchenkreis zu Kirchenkreis gehen – Grußworte von Repräsentanten aus Politik und Verwaltung erbitten.
  • Die Debatte über den umstrittenen Namen weiterführen: Zum Logo mit „GAW“ muss ein zugkräftiger erklärender Zusatz treten. Hier werden Vorschläge aus Hauptgruppen erwartet. Ein Vorschlag lautet: „Evangelisch weltweit - GAW“.
  • GAW-Freunde gewinnen für ein effektiveres „Spendenmanagement“ - etwa wie in Waren durch M. Hartig, um mehr Einnahmen für die Diasporaarbeit zu generieren. (Aktion Spenden statt Geschenke) u.v.m.


B. Vortrag: Rückblick auf die Nordelbische Evang-Lutherische Kirche (Bischof K.-L. Kohlwage)
 
Den Ausführungen zum Thema schickt der Referent Vorbemerkungen voraus, in denen er daran erinnert, wie in den entscheidenden Jahren nach 1989 die Evangelischen Kirchen in Folge der politischen Veränderungen aus der Enge in die Weite geführt worden sind, was auch das Anliegen des GAW sei. Besonders lebendig sei ihm in Erinnerung eine Reise durch das „Evangelische“ Polen nach der Wende. Er freue sich über das Zusammenwachsen innerhalb des geeinten Europa und das Schwinden von Grenzzäunen, Mauern und Barrieren und dass sich der Freiheitswunsch der Menschen hat realisieren lassen. Sodann beginnt er mit dem Rückblick auf das Werden, Blühen und das Ende der „Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche“.

Die Geschichte Schleswig-Holsteins und auch die Geschichte der Kirchen in Schleswig-Holstein sei geradezu sprichwörtlich kompliziert und nahezu undurchschaubar für Nichthistoriker. Kohlwage zitiert das geflügelte Wort, dass nur drei Menschen die Kirchengeschichte des Landes kannten: Ein Historiker, der darüber gestorben ist, ein zweiter, der darüber den Verstand verloren habe und Prof. Dr. Goebel von der Uni Kiel, der es aber auch nicht vermitteln konnte. (Studenten fragten immer nach dem Unterschied zwischen Goebel und einem Telefon, Antwort: das Telefon hat einen Hörer, Goebel zwei.) Die Komplexität der kirchlichen Landschaft mit den Landeskirchen Schleswig-Holstein, Hamburg, Lübeck und Eutin, sowie der Landessuperintendentur Lauenburg legte es nahe, Strukturen zu vereinfachen. Mit dem Beginn des Jahres 1977 wurde dieses Ziel realisiert. Nur noch ein Kirchenamt ( in Kiel ) blieb, die neue NEK erhielt eine Aufteilung in die 3 Sprengel Schleswig, Holstein-Lübeck und Hamburg mit den 3 zu wählenden Bischöfen. Der Name Nordelbien geht auf das historische „Nordalbing“ zurück, definiert also nicht nur die Elbe als Grenze, zumal noch ein Teil südlich Hamburgs (Harburg) südlich der Elbe liegt, jedoch zu Nordelbien gehört. Schwierig, aber erfolgreich waren zuvor die kommunalpolitischen Zusammenschlüsse der 4 ursprünglich selbständigen Städte Althamburg, Altona, Wandsbek und Harburg. Und es war die Frage, wie die Kirche darauf reagieren sollte. Was sollte zum Sprengel Hamburg gehören, was zum Sprengel Holstein? Besitzansprüche standen gegeneinander. Harte Verhandlungen zogen sich in die Länge. Im Blick auf die Amtstracht der Pastoren ließen sich die Unterschiede nicht ausgleichen: Schlichter Talar und Beffchen im Sprengel Schleswig und Holstein, opulenter Hamburger Talar und Halskrause in den Hansestädten. Letztlich aber gelang nach 14jährigem Vorlauf die Einheit trotz allem. 1977 war der Einigungsprozess unter Schmerzen abgeschlossen mit den Eckpunkten:

  • Stärkung der Kirchenkreise als Entscheidungszentren, somit (begrenzte) Fortsetzung der selbständigen Existenz der alten Kirchen in Hamburg, Lübeck, Eutin und Lauenburg
  • Drei gleichberechtigte Bischöfe ohne hierarchische Abstufung
  • Gleichberechtigt neben den Gemeinden stehen jetzt die Stärkung der Dienste und Werke
Letzteres war in den Landeskirchen der EKD längst nicht überall so. Für das Zusammengehörigkeitsgefühl der neuen Nordelbischen Kirche wichtig wurde der Hamburger Kirchentag von 1981 mit der Aktion „Fisch sucht Fisch“. Diese stärkte das „Wir-Gefühl“ und hat erheblich zum inneren Einswerden der neuen Kirche beigetragen.
Kritisch merkt Kohlwage an: Die NEK hatte eine Schwäche. Nämlich das Fehlen der These 1 der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 in der Verfassung der NEK mit dem Wortlaut: „Jesus Christus … ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, und dem wir … zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche … neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere ... Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ Dieses Bekenntnis hätte in die Verfassung der NEK gehört, weil das Land Schleswig-Holstein und auch die Kirche im Land massiv nationalsozialistisch indoktriniert war und eines offiziellen Reinigungsprozesses bedurft hätte. Kohlwage zeigt sich erleichtert und stellt mit Genugtuung fest, dass die Verfassung der Nordkirche das Barmer Bekenntnis in der These 1 enthält.
Positiv an der NEK war – so der Altbischof – die Gleichberechtigung im Bischofskollegium. In der Nordkirche wird es dagegen durch die Wahl eines Leitenden Bischofs wieder zu einer „unevangelischen“ Hierarchisierung kommen. Dass die Kirchenkreise künftig so übergroß sind, hält er für schwierig, auch dass für die Dienste und Werke ein neues System in der Nordkirche gefunden wird. Er bedauert das Ende der Nordelbischen Kirche nach nur 35 Jahren – ist jedoch nicht grundsätzlich gegen die Fusion der 3 Nordkirchen. Sie habe auch ihr Gutes, und dass sich die evangelischen Christen von der dänischen bis zur polnischen Grenze näher kommen können, ist ein Gewinn.
 
Nach großem Applaus dankt Pastor Haberland dem Bischof für seinen Vortrag.

- P a u s e -

C. Vortrag: „Die Evang.- Luth. Kirche im Norden“ OKR Volker Thiedemann

In einem eindrucksvollen Bilderreigen präsentiert der Referent einleitend Kirchen und Landschaften aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg und Pommern und kommentiert die Fotos, nicht ohne den Hinweis, dass der Reichtum an wunderschönen, teilweise aus dem Mittelalter stammenden Kirchen auch Verpflichtungen zum Unterhalt der Gebäude mit sich bringt.
Thiedemann, der aus der 3. Lesung der verfassungsgebenden Synode in Rostock eigens zum Vortrag bei der GAW-Tagung in Rendsburg angereist ist und am gleichen Abend wieder zurückkehren wird, weil am 7. Januar in Rostock die entscheidenden Abstimmungen durchgeführt werden, stand noch ganz unter dem Eindruck dieses geschichtsträchtigen Tages.
In seinen Ausführungen zieht auch Thiedemann die Linie aus zwischen der Weite des Auftrags des GAW und der neuen Weite der Nordkirche. Diese reiche nun von der Dänischen Grenze bis zur Oder und umfasst Gebiete, die unterschiedlicher kaum sein können, auch von ihrer konfessionellen Entwicklung her. Aber der Optimismus, dass die Vereinigung ein gutes, zukunftsweisendes Vorhaben ist, sei überall bei den Delegierten zu spüren und er zweifelt nicht daran, dass die Fusion mit zwei Dritteln der Synodalen gelingt. Mit Genugtuung und zur Freude der GAW-Versammlung berichtet Thiedemann, dass die Diasporaarbeit – ganz im Sinne des GAW - in der Nordkirche Verfassungsrang erhält, denn sie wird in der Präambel bereits als Wesen und Auftrag der Kirche ausdrücklich benannt. Und wenn am 7.1. die letzten Abstimmungen positiv verlaufen, dann wird der Vereinigungsfeier zu Pfingsten 2012 im Dom zu Ratzeburg nichts mehr im Wege stehen. Ratzeburg wurde ausgewählt, weil der Dom nahe der Grenze zwischen Lauenburg und Mecklenburg auf kirchlichem mecklenburgischem Boden steht. Thiedemanns Blick geht noch einmal zurück auf den langjährigen und schwierigen von zahlreichen Kompromissen geprägten Verhandlungsprozess. Drei Eckpunkte markieren die überstandenen Schwierigkeiten, nämlich die Fragen,

a) wo das Kirchenamt sein soll? In Lübeck? In Kiel? In Mecklenburg?
b) wo der Landesbischof seinen Dienstort haben soll? In Lübeck? Hamburg? oder?
c) wie viele Bischofe der Nordkirche vorstehen sollen
 
Ergebnis:
  • Das Kirchenamt weiterhin in Kiel,
  • der Sitz des ltd. Bischofs künftig in Schwerin,
  • zunächst fünf Bischöfe in einer Übergangszeit, später drei.
Besonders umstritten war der Bischofssitz; da standen die Verhandlungen auf des „Messers Schneide". – Für c) zeichnet sich ab, dass das Überleitungsgesetz für die 5 Bischöfe ein Schwachpunkt des gesamten Fusionsprozesses ist. Wenn aber auch dieses die Abstimmungen passiert, dann wird nach dem feierlichen Gründungsakt zu Pfingsten 2012 die eigentliche Arbeit des Zusammenwachsens beginnen. „Was bisher erreicht ist, ist das Schaffen der Voraussetzungen - nicht mehr“.
Nordkirchen-Skeptiker warnen vor hohen finanziellen Mehrbelastungen der jetzigen NEK, ohne dass ihnen wirkliche Vorteile gegenüberstehen (In 5 Jahren sollen die Pfarrergehälter an das Westniveau angeglichen werden). Die Mehrbelastung der westlichen Nordkirche soll 5 % betragen, aber genau das wird für die Zukunft nicht garantiert. Umstritten ist auch das anzuwendende Tarifrecht, die Rolle der Gewerkschaften, überhaupt das Arbeitsrecht der kirchlichen Angestellten und Arbeitnehmer. Aber es spricht für alle Seiten und für den guten Willen und das Vertrauen in die Zukunft aller Beteiligten, dass man so weit gekommen ist, und dass morgen (7.1.12) die letzten Weichen in Richtung Einheit gestellt und somit die Nordkirchenverfassung Rechtskraft erhalten wird. Alle drei Synoden, die der NEK, die Mecklenburgische und die Pommersche müssen mit 2/3 Mehrheit zustimmen. Thiedemann schließt mit dem positiven Fazit:
„Die Evangelisch-Lutherische Kirche im Norden – (die „Nordkirche“) will eine einladende Kirche sein, in der einer dem andern zeigen will, was er ist, was er kann und was er anzubieten hat, hoffen wir, dass es so kommt.“

Abendbrot - P a u s e

D. Abendandacht

Nach dem überaus reichlichen, schmackhaften Abendessen im Adolf-Stecker-Haus des Nordkollegs lädt Bischof Kohlwage die Tagungsteilnehmer zur Abendandacht im Tagungszentrum - dem Pavillon-Rundsaal – ein. In seiner Ansprache zum Epiphaniastag greift er auf die Licht-Finsternis-Symbolik zurück und weist uns auf Christus, das Licht der Welt, der uns in aller Finsternis Orientierung und Ziel sein will. Epiphaniaslieder aus dem Gesangbuch bereichern die Andacht.


Kleine musikalische Überraschung
 „Kleine musikalische Überraschung“
 
E. Kleines Musikprogramm

Das „Kleine Musikprogramm“ erweist sich als ausgewachsenes Posaunenkonzert, gespielt von Joachim Schuster, 43 Jahre lang Posaunist im Orchester des Kieler Opernhauses, jetzt im Ruhestand, dem aktuellen Posaunist im selben Orchester, Herrn Peter Foerg, seinem Sohn Christian, Posaunist im Marine-Musikcorps Ostsee und Dorothea Gutbier aus Bornhöved, Meisterschülerin von Joachim Schuster. Durch das Programm mit klassischen Klängen aber auch Liedern und Stücken aus Musicals, aus der Popmusik – den Beatles, Volksliedern, Spirituals und Ohrwürmern aus Fernseh- oder Radioprogrammen führt auf lockere Weise der Mitorganisator der Tagung Friedrich Wackernagel. Der Applaus für die wohlklingende, überraschende Abendmusik wollte kein Ende nehmen. Mit mehreren Zugaben bedankten sich die Musiker. Es war ein Highlight der Tagung.


 
Sonnabend, 7. Januar 2012

Das Tagungsprogramm sieht vor:
A. Morgenandacht von P. Edwin Pech aus Wang
B. Vortrag des Polnischen Bischofs Ryszard Bogusz
C. Vortrag des Generalbischofs Dr. Klatik aus Bratislava
D. Podiumsdiskussion mit Diasporapraktikant/Innen und Stipendiaten
E. Bericht aus der Zentrale: Stellv. Präsidentin G. Wulz und Generalsekretär E. Haaks
F. Abendsegen Generalbischof Dr. Klatik

A. Morgenandacht
Pastor Pech hält die Morgenandacht mit dem inhaltlichen Schwerpunkt von Matthäus 25 : „Was ihr getan habt und tut den geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr Christus getan.“ Hell und frisch klang das Singen des urspl. portugiesischen Liedes „Cantai ao Senhor“ – Singt Gott unserm Herrn…“

B. Vortrag von Bischof Bogusz: Die Lage der Evangelische Kirchen in Polen nach der Wende von 1989.“ (stark gekürzte Zusammenfassung)

1. Kirche in der Diaspora
In konfessioneller Minderheit zu leben ist eine große Herausforderung aber auch eine Chance: Herausforderung insofern: Die aktive Teilnahme am Gemeindeleben war bis zur Wende extrem riskant, mit Verboten belastet, mit Repressalien bedroht; Pastoren wurden staatlich „instrumentalisiert“, um den Ruf des Staates zu schönen; Bespitzelungen und Inhaftierungen verursachten große Ängste. - Die Chance bestand darin, dass das „Wir-Gefühl“ der Evangelischen sehr stark war. Die Identität als Evangelische Christen war ihnen so viel wert, dass sie dafür zu leiden bereit waren, schon allein dadurch, dass sie – nur weil sie evangelisch waren – in offiziellem Sprachgebrauch als „Deutsche“ (Kriegsgegner) angesehen wurden, mit allen negativen Folgen.

2. Neuanfang nach 1989
In den 22 Jahren seit der Wende hat sich sehr viel verändert, angestoßen durch die Solidarnosc und dessen Leitgestalt Lech Walesa. Die Regierung erlitt bei der ersten freien Wahl 1989 eine vernichtende Niederlage, die Demokratie blühte auf, die III. Republik wurde gegründet. Noch im selben Jahr erfolgte die Öffnung zum Westen hin. Die Menschen hatten plötzlich ihre Angst verloren, fühlten sich frei. Die Evangelische Kirche erhielt durch Gesetzeskraft endlich wieder das Recht, öffentliche Gottesdienste zu feiern, Evangelische Feiertage arbeitsfrei zu begehen, Gottesdienste in den Medien zu übertragen, Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zu erteilen, diakonische und seelsorgerliche Aufgaben wahrzunehmen und missionarisch tätig zu sein. Sogar verlorener Grundbesitz und Gebäude wurden teilweise und schleppend zurückgegeben. Seelsorgedienste bei der Polizei, dem Militär, der Feuerwehr, in Justizvollzugsanstalten, in Krankenhäusern wurden möglich und realisiert, wo man das Personal dazu hatte. Einige Zahlen zur Größe und Struktur der Evangelischen Kirche in Polen: Die Kirche hat 6 Diözesen Teschener Diözese 22 Gemeinden Kattowitzer D. 41 Gemeinden Masurische D. 15 Gemeinden Pommersche D. (Großpolen) 19 Gemeinden mit insges. 75.ooo Mitgliedern, 134 Pfarrern, 2 Diakonen Warschauer D. 21 Gemeinden Breslauer D. 16 Gemeinden Die bedeutendsten evangelischen Kirchen in Polen stehen in Zopot, Schweidnitz, Warschau, Allenstein Wisla, Teschen und Pless. Die Ausbildung des Theologennachwuchses erfolgt in der CHAT - der Christlich Theologischen Akademie Warschau.

3. Schwerpunkt Diakonie
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Polen gründete 1992 die Diakonie. Jetzt konnte die Kirche endlich auch das Evangelium durch die Tat verkündigen. Angesichts der großen (und wachsenden) Zahl bedürftiger Menschen musste die Kirche nicht nur über Hilfe reden, jetzt konnte sie diese auch leisten. Zahlreiche diakonische Einrichtungen schossen wie Pilze aus dem Boden: 11 Altersheime, 23 Sozialstationen, 5 Jugendzentren, 15 Zentren für Reha-geräte, ein Kinderfamilienhaus, zahlreiche Anlauf- und Beratungsstellen, kirchliche Schulen, Kindertagesstätten und Hilfseinrichtungen für Behinderte (z.B. „Maria-Martha“)
 
4. Mission und Ökumene
Sogar missionarische Einrichtungen sind nach der Wende ausgebaut geworden, z.B. wurde im Teschener Land ein neues Zentrum für Missionsarbeit und Evangelisierung gegründet, das bei Kindern und Jugendlichen sichtbare Erfolge hat. Jedes Jahr finden Evangelisierungswochen mit mehren tausend Teilnehmern in Schlesien, in Masuren, in Zentralpolen, oder im Riesengebirge (Karpacz) statt. O-Ton Bischof Bogucz: „Unsere Lutherische Kirche ist, was die Mission betrifft, sehr aktiv und hat viel erreicht.’“ Im Bereich der Ökumene sind die Aufgaben größer und schwerer geworden. Wenn Ökumene nur einseitig gewünscht wird, kann sie nicht aufblühen. Gleichwohl ist es unser Bestreben, mit anderen Religionen und Konfessionen in einen Dialog einzutreten und eine Zusammenarbeit anzubieten. (z.B. in dem Gebetsanliegen „Ut unum sint“ = „auf dass sie eins werden“) „Die Sonntag beginnende ökumenische Gebetswoche zwingt uns, früher zurückzufahren, weil wir in Polen unentbehrlich sind.“

5. Aufarbeitung der Vergangenheit
Eine Aufarbeitung von geheimdienstlichen Verstrickungen von kirchlichen Verantwortungsträgern in der Zeit der kommunistischen Diktatur ist nach langer Zeit des Schweigens zwar möglich. Doch hat sich eine eher pragmatische Haltung durchgesetzt, die den Mantel des Schweigens über das Geschehene breitet, weil Aufdeckung den inneren Frieden in den Gemeinden gefährdet. Ein längerer Abstand zur betr. Zeit solle eingehalten werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Die Kirchensynode hat aus besagten Gründen dem Bischof Janusz Jagucki das Vertrauen verweigert. Zum neuen Bischof der Ev. Kirche in Polen wurde 2009 Pfarrer Jerzy Samiec aus Gleiwitz gewählt. –

6. Kontakte, Partnerschaften (der Diözese Breslau)
Die gen. Diözese umfasst den ganzen Streifen vom Riesengebirge an der Oder entlang bis an die Ostsee, verständlich, dass diese Diözese die stärksten Kontakte und intensivsten Partnerschaften nach Deutschland unterhält, besonders nach Brandenburg, in der Görlitzer Region und in Pommern. Zit: „Ich glaube, dass unsere Partner in Deutschland uns, unsere Offenheit und Gastfreundlichkeit, vor allem unser Zeugnis von Christus brauchen; und wir in der Diaspora freuen uns, dass uns viele evangelische Menschen in aller Welt unterstützen, auch in dem Mühen, der Lehre des Reformators treu zu bleiben…Auch die Partnerschaft mit dem GAW und hier besonders mit der Nordkirche sind uns wichtig. Ich darf heute sagen: Wir haben in Polen keinen Minderheitenkomplex mehr, die Ev. Kirche ist in Polen kein Fremdkörper. Wir sind selbstbewusst, unsere Kirche wächst, nicht schnell aber sie wächst, und wir erheben unsere Stimme als Lutheraner, weil sie von überzeitlicher Bedeutung ist“.

Pastor Haberland dankt Bischof Bogusz für den umfassenden Einblick in die sich so stark veränderte kirchliche Situation seit der Wende von 1989 und eröffnet die Aussprache:

AUSSPRACHE
Einwand zur „Stasi-Verquickung“ Keine Zustimmung, ja Protest findet die Einstellung der Polnischen Kirche zur verweigerten oder verschobenen Aufarbeitung der geheimdienstlichen Vergangenheit von kirchlichen Mitarbeitern. Erst die Aufarbeitung der Vergangenheit ermögliche einen Reinigungsprozess und somit einen ungestörten Neuanfang. Zur Frauenordination: Bogusz: Zurzeit ist „kein Bedarf an Frauen im Talar, es gibt ausreichend Pastoren. Frauen-ordination wird von der Kirchenbasis – von den Gemeinden abgelehnt. Die Synode könne nicht gegen die Gemeinden beschließen. Frauen werden, wenn überhaupt, in das geistliche Amt des Diakonats eingeführt (ein erster Schritt, dem weitere folgen können)


C. Vortrag des Generalbischofs Klatik aus Bratislava „Die Evangelische Kirche AB in der Slowakei“ (EKAB)
Vorbemerkung: Der Vortrag von Generalbischof Klatik war eine Powerpoint-Präsentation, ohne schriftliches Konzept. Die Nachschrift kann somit nur unzureichend und nur stichwortartig den Inhalt des Vortrags wiedergeben.
 
Bischof Klatik leitet ein mit dem Hinweis, dass die Kürzel AB (für Augsburgisches Bekenntnis) sehr wichtig sind. Aus der Reformation kommend hält diese Kirche gegen alle Gegenreformation und Widerstände am ursprünglichen Bekenntnis fest.
Die Struktur der Kirche: Die Grundeinheit ist die Gemeinde. 320 Kirchengemeinden sind zusammengefasst in 14 „Senioraten“, entspre- chend unseren Dekanaten. Den Senioraten übergeordnet sind die zwei Kirchendistrikte (vglb. mit Sprengeln).
Personelle Ausstattung der EKAB:
366 Ordinierte, darunter 101 Pfarrer, 63 Pfarrerinnen, 26 Vikare, 7 Diakone 119 stellvertretende Pfarrer, 10 Seelsorger, 18 Ko-Senioren, 14 Senioren, 2 Sekretäre, 3 Bischöfe (1 Generalbischof und 2 Distriktbischöfe). Trotz der Vielzahl der Amtsträger sind ca. 60 Stellen unbesetzt, dh. 18,5 %. Frauenordinationen sind üblich.

Die EKAB ist eingebunden in eine internationale Zusammenarbeit, ist Mitglied im Lutherischen Weltbund LWB - in der Konferenz der Europäischen Kirchen – im Weltrat der Kirchen - in der GEK in Europa.
Partner der EKAB sind das GAW und der Martin-Luther-Bund, aber vor allem die Missouri-Synode, andere europäische Kirchen die Schwedische Kirche, die Evang. Kirche in Polen, und Malawi.
Enge Zusammenarbeit wird gepflegt mit den Partnerkirchen in Österreich, Ungarn, Serbien, Rumänien, Finnland, Russland, der Ukraine und Norwegen. Besondere Aufmerksamkeit widmet die EKAB SL. den Evangelischen Landsleuten im Ausland.

Bischof Klatik umreißt seine eigenen Aufgabenbereiche:
  • Leitung des Generalpresbyteriums, des Bischofsrates und Kirchenvorstands der EKAB
  • Ausschuss-Sitzungen
  • Visitationen der Gemeinden
  • Gottesdienste, Vorträge, Jubiläen, Reden zu bes. Ereignissen, Kontakte zu Regierungskreisen
  • Treffen mit Vikaren, Kirchenvertretern, Gespräche mit dem Ministerpräsidenten, dem Kultusministerium über das Verhältnis von Staat und Kirche, das Gesundheit- und Bildungswesen
  • Ausstellungen begleiten u. v. mehr

Die DIAKONIE der EKAB spielt seit 20 Jahren eine herausragende Rolle. Gerade wurde das 20jährige Jubiläum der Ev. Diakonie gefeiert. Wichtige Einrichtungen konnten gebaut und in Betrieb genommen werden: Z.B. Kinderheime, Krankenhäuser, Hospize, Einrichtung für Taub-Blinde, Soziale Einrichtungen…
 
„Missionsaktivitäten“:
Das 400Jahr-Jubiläum der „Synode von Zilina“ war Höhepunkt des zeitgleichen II. Evangelischen Kirchentags im Juli 2011. Eine Sonderbriefmarke wurde zu diesem Ereignis herausgegeben und als „Beste Briefmarke in Europa“ prämiert. Das Jubiläum der Synode von Zilina war so bedeutend, dass selbst Staatspräsident und Ministerpräsident anwesend waren. Das Jubiläum fand in den Medien und bei den Menschen in der Slowakei eine außergewöhnlich große Resonanz. Weitere Aktivitäten im Bereich der Inneren Mission: Die EKAB nimmt sich vieler Roma-Familien an, die oft ausgegrenzt sind. Sie darf Religionsunterricht erteilen. An öffentlichen Schulen ist Religion Pflichtfach, alternativ: Ethikunterricht. Die EKAB bildet ihren Theologennachwuchs an der Evangelischen Theologischen Fakultät in Bratislava aus.
 
Gottesdienstleben in der EKAB:
Je weiter man in der Slowakei östlich kommt, umso religiöser sind die Bewohner und umso reger ist der Gottesdienstbesuch. Auffällig ist der große Anteil von Kindern und Jugendlichen im Gottesdienst. Das Umgekehrte gilt aber auch. Je weiter westlich, umso mehr sind die Bewohner säkularisiert. Eine Besonderheit im Osten ist die große Zahl der ungarischsprachigen Slowaken. 25 Kirchengemeinden mit ca. 1000 Mitgliedern haben auch die ungarische Nationalität. Für sie ist ein Gottesdienstausschuss nach slowakisch-ungarischer Ordnung eingerichtet worden. Große Aufmerksamkeit wird in der EKAB der Kirchenmusik gewidmet. Bischof Klatik hat dankenswerter Weise allen Tagungsteilnehmern eine CD mit Orgelmusik aus Kirchen seiner Diözesen als Geschenk mitgebracht.


Begeisterte Zuhörer
Begeisterte Zuhörer
 
EINSCHUB 1 Pastor Jahn
Zur Entwicklung in den letzten 20 Jahren ergänzt Pastor Heiko Jahn aus Hamburg: Er sei 1989 noch vor der Wende als Praktikant und Theologe in Bratislava gewesen, habe (noch in der kommunistischen Zeit) die extrem erschwerten Bedingungen kirchlichen Lebens kennen gelernt – mit starken und bewussten Behinderungen der Gottesdienste in einer Neubauwohnung. Nach der Wende ging es rasch aufwärts, so Jahn. Eine Kirche sei dort gebaut worden, die nach anfänglichen Protesten jetzt aber gut angenommen worden sei. Der Gottesdienst dort sei bestens besucht, die Gemeindeaktivitäten vielfältig und lebendig, Kamen vor 20 Jahren noch 4 Jugendliche zum Konfirmandenunterricht, so sind es jetzt fast einhundert. „Diesen Aufschwung“, so Jahn, „gönne ich jedem Pastor“.
 
Einschub 2 Heye Osterwald
Auch Heye Osterwald berichtet über seine Zeit an der Theologischen Fakultät in Bratislava im Jahr 1992, wo er Studenten im Fach Deutsch unterrichtete: Im Miteinander Leben, Arbeiten und Gottesdienst feiern beobachtete er, dass die jungen Studierenden in der evangelischen Kirche und im evangelischen Glaubensleben fest verwurzelt sind. Hier besteht ein Unterschied zu deutschen Studenten. Die Studenten in Bratislava liebten das Singen im Studentenchor, waren stark interessiert an allem was aus dem Westen kam, und legten großen Wert darauf, durch gute Leistungen in den Genuss eines Stipendiums im Westen zu kommen. Heute sind die Bedingungen im kirchlichen Leben frei und ohne irgendwelche Einschränkungen. Gottesdienste in den Medien, Andachten, Worte zum Sonntag, Öffnung nach Außen und Innen durch den Internetauftritt zeigen eine lebendige, zukunftsorientierte Kirche. Siehe auch: www.ecav.sk/deutsch
Langanhaltender Applaus dankt Generalbischof Klatik für seine Ausführung und anschaulichen Bilder und Grafiken auf seiner Präsentation; die Versammlung trifft sich nach der Mittagspause für die Podiumsdiskussion mit Stipendiaten und Diaspora-Praktikanten.
 
D. Podiumsdiskussion mit Diasporapraktikant/Innen und Stipendiaten
(Samstag, 7.1. – Nachmittagsprogramm ab 15 Uhr)
Der Podiumsrunde gehören an: Leitung: Volkmar Weide; die Stipendiaten Alsbeta Matejovska, Tschechien, Milan Bartko, Slowakei, Anelise Knüppe, Brasilien; die ehem. Diaspora-Praktikanten/innen Katrin Sambarth (Argentinien), Benjamin Röder (Lettland), Pastor Jahn (Hamburg) und Gen.Sekretär Haaks (Leipzig).
Zunächst stellen sich alle vor: Alsbeta Matejovska, 23 Jahre jung, Tschechien, aus der Lutherischen Kirche, (1% der Bevölkerung 150.000 Mitglieder). Sie studiert ev. Theologie in Leipzig bis Juli 2012.
Milan Bartko 24 Jahre, aus der Slowakei, hat in Bratislava Theologie studiert, ist im 8. Semester jetzt für 1 Jahr zum Studium in Leipzig.
Anelise Knüppe 24 Jahre, Brasilien, Großeltern deutsch, 7. Semester Theologie, kommt aus der Ev. Kirche in Brasilien mit 720.000 Mitgliedern, ca. 350 Pfarrern. Berufsziel: Pastorin
Katrin Sambarth Praktikantin in Argentinien
Benjamin Röder 22 Jahre, Praktikant in Lettland. Lipaja, tätig in der Gemeinde-Diakonie, studiert Rel-Pädagogik
Pastor H. Jahn war 1989 und 1992 in Bratislava
Pastor Enno Haaks Nordelb.Pastor, von 2000- Ende 2009 in Chile, seit Jan.2012 Generalsekretär des GAW
 
Fragen von Volkmar Weide an die Diaspora-Praktikanten:
Konnten Sie sich in Ihrem Gastland einbringen? Haben Sie sich als Botschafter des GAW gesehen?
Antworten
Ja, konnte mich einbringen: Kinder betreuen, Hausaufgabenaufsicht, Spielen, Kochen (Sambarth)
Röder: Ja, im Zusammensein mit Jugendlichen; gewann Vertrauen durch Erlernen der lettischen Sprache.
 
Fragen an Stipendiaten: Wie erleben Sie Kirche in Ihrem Gastland (Deutschland)
Alsbeta.: Gottesdienst ist hier anders, Pastoren singen, das wirkt „katholisch“ ist aber schön. Ich liebe das Fach „Praktische Theologie“ Kirche hier ist „toll“.
Milan B.: Bei uns wird mehr im Gottesdienst gesungen, das vermisse ich etwas in D. Andererseits: Er ist beeindruckt von der Vielfalt der Aktivitäten: Kirchenchöre, Posaunenchöre...
Anelise K.: auch für sie ist neu, dass Pastoren im Gottesdienst singen. Abendmahlswein darf in Brasilien nur Rotwein oder roter Traubensaft sein. Fühlt sich im Gottesdienst wohl.

Frage: Was gibt Ihnen zu denken im Blick auf den Lebensstil in Deutschland?
Anelise: Ich studiere gern hier, lerne viel, nehme viele gute Eindrücke mit nach Brasilien.
Milan: Ich sehe in D. eine große Offenheit für viele Nationalitäten. Das ist sympathisch.
 
Frage an Haaks: Was trägt das Stipendiatenprogramm aus für das GAW?
Haaks: Das Stipendiatenprogramm ist bereits Jahrzehnte alt und hat sich als Brückenfunktion bewährt. Die Stipendiaten geben dem GAW ein junges Gesicht. Sie durchbrechen Begrenzungen, sorgen für Weite, tragen das Anliegen des GAW in ihr Land. GAW ist in der Diaspora oft bekannter als hierzulande. Die Stipendiaten sind unser Fenster nach außen

Frage an Stip. und Praktk.:
Gibt es Möglichkeiten, weiterzugeben, was Sie in der Diaspora erlebten?
 
Sambarth: Ich bin z.Zt. tätig in der Betreuung von jungen Menschen, die den BuFDienst ableisten und profitiere von meiner Praktikantenzeit, kann auch an die jungen Menschen Erfahrungen weitergeben.
P. Jahn nimmt Einladung aus der Slowakei wahr und fährt mit Jugendlichen in die Diaspora.
Alsbeta: „Ich sehe, was alles hier möglich ist und möchte zu Hause daran anschließen.
Milan: Ich erarbeite eine Präsentation über meine Zeit in D. und werde Vorträge halten.
Benjamin hat Tagebucheinträge für eine breite Öffentlichkeit ins Internet („Blog“)eingestellt, hält, wo gewünscht wird, Vorträge, will später in der Schule gern über Diasporafragen sprechen.
Anelise: Es gibt in der Heimat viel zu erzählen und weiterzugeben.

Pastor Haberland beschließt die Podiumsrunde, dankt allen und äußert die Hoffnung, dass auch künftig ausreichende Geldmittel für das Stipendiatenprogramm und Diasporapraktikanten zur Verfügung gestellt werden.
 
Zwischenruf: Die Nachrichten im Radio verbreiten, dass die 3 Synoden in Rostock der Gründung der Nordkirche zugestimmt haben. (Anhaltender Applaus, am Abend soll das Ereignis gefeiert werden)


E. Bericht aus der Zentrale: Stellv. Präsidentin G. Wulz und Generalsekretär E. Haaks
Frau Prälatin Gabriele Wulz, seit 2 Jahren stellvertretende Präsidentin des Diasporawerkes in der EKD, richtet die ihr aufgetragenen Grüße des Präsidenten aus. Sie ist gern in der Funktion tätig, lobt die gute Atmosphäre in der Zentrale und sieht realistisch in die Zukunft: Nach dem Motto: „Weniger ist mehr“ bricht sie einen Lanze für ein effektiveres Arbeiten mit dem Blick auf die Empfänger in der Diaspora.

Generalsekretär Enno Haaks stellt in seinem Bericht heraus, dass auch die Zentrale haushalterisch mit den anvertrauten Mitteln umgehen muss und wird. Ein Gutachten der EKD zur Wirtschaftlichkeit zwingt zur Verschlankung der bürokratischen Strukturen. Im Haus in der Pistorisstraße solle nur noch für eine kleine Gästeanzahl Zimmer bereitgehalten werden. Die anderen Räume werden vermietet.
Der Auftrag aus den Hauptgruppen, einen zeitgemäßen Namen für das Diasporawerk zu finden, brauche Zeit, so Haaks, aber es werden auch Vorschläge aus den Hauptgruppe erwartet und erbeten.
Zum Verlagswesen merkt er an: Es wird nur noch gedruckt, was zuvor bereits gegenfinanziert ist.
Im Blick auf den Projektkatalog, dem Herzstück der GA-Arbeit, werden die Sorgen nicht weniger, ob die in Aussicht gestellt Fördersumme von 1,5 Millionen Euro auch abgedeckt und erfüllt werden kann. Wenn in Italien sich die Waldenserkirche nicht durch die staatliche Verpflichtung des „ottopermille“ von einer Empfänger- in eine Geberkirche gewandelt hätte, wäre auch das Ziel von 1,5 Mill. Euro nicht mehr erreichbar. Daher erneuert Haaks seinen Appell an die Hauptgruppen, Fördervorhaben am Projektkatalog vorbei zurückzufahren, zu Gunsten der Verpflichtungen im Projektkatalog, die ja auch durch die Hauptgruppen in Absprache mit der Zentrale eingegangen worden sind. Ein möglicher Weg zur Verbesserung der Einnahmen sei – so Haaks – eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit in den Gemeinden und Kirchenkreisen zu Gunsten der Diaspora-Gemeinden. Dem Pessimismus darf nicht Raum gegeben werden! Es gelte vielmehr, zuversichtlich und nachhaltig für das Anliegen des GAW einzutreten – in den Gemeinden ebenso wie in der oft so segensreich wirkenden Frauenarbeit.

Aufmerksame Zuhörer, v. l. n. r.:Bischof K.L. Kohlwage, Bischof R. Bogusz und Pastor Pech
Aufmerksame Zuhörer: v.l.n.r. Bischof K.L. Kohlwage, Bischof R. Bogusz u. Pastor Pech
 
F. Abendsegen Generalbischof Klatik
Am Schluss dieses inhaltsreichen Tages mit vielen, unterschiedlichen Eindrücken hält Bischof Klatik aus Bratislava die Abendandacht mit einem Schwerpunkt auf dem Gebetsteil, den Pastor Jahn und Pastor Haaks übernehmen. Mit dem Lied „Herr, wir bitten, komm und segne uns…“ klingt der Arbeitsteil der Tagung aus.
Nach dem Abendessen ist ein Großteil der Tagungsteilnehmer noch fröhlich, singend und feiernd zusammen, denn immerhin sind drei der acht Hauptgruppen im nächsten Jahr gemeinsam unter dem Dach der Nordkirche vereint. Ein Gruppenfoto der Nordkirchenteilnehmer hält die historische Stunde fest.

Sonntag, 8. Januar 2012
 
In einer Schlussrunde danken zahlreiche Tagungsteilnehmer den Organisatoren, Pastor Uwe Haberland und Pastor Friedrich Wackernagel für die gelungene, informative, abwechslungsreiche und bestens organisierte Tagung. Auch die stellvertretende Präsidentin bekundet, „mit Freude teilgenommen zu haben“. Belebend sei die Podiumsaussprache mit den Stipendiaten und Praktikanten gewesen, das „junge Gesicht des GAW“. Ein Hochgenuss das Posaunenkonzert, schön das Singen und die warmherzige Atmosphäre unter den Tagungsteilnehmern. „Eine besonders schöne GAW-Tagung“ hörte man sagen. Die Nordgruppentagung 2013 findet in Bremen statt, dazu wird Pastor Mühring rechtzeitig einladen. Termin: 4. bis 6. Januar; der Ort steht noch nicht fest.
In entspannter, ja froher Erwartung macht sich die Versammlung auf zum Gottesdienst in der Christkirche am Paradeplatz in Rendsburg. Gemeinsam mit der dortigen Gemeinde wird er als Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Prälatin Wulz hält die Predigt über die Bedeutung des einen Wortes Christi, das Menschen seines Vertrauens so wohl tut. („Sprich nur e i n Wort, so wird mein Knecht gesund“). Der Pastor der hiesigen Kirchengemeinde ist Liturg. Aus der Hauptgruppe Nordelbien werden der Schatzmeister, Herr Wilhelm Reinhardt, der Schriftführer, Friedrich Wackernagel und das Vorstandsmitglied Eberhard Mehl von ihren Ämtern mit Dank entbunden. Der Gottesdienst in der beeindruckenden, kreuzförmigen früheren Garnisonskirche aus dem 17. Jahrhundert war ein würdiger Abschluss der Tagung. Nach dem gemeinsamen Mittag reisen die Teilnehmer ab.
 
Friedrich Wackernagel