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Nehmt einander an...

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“…
Silke Ross und Ute Eisenack

„Dieser Spruch hat mich durch die Jahre mit dem Gustav-Adolf-Werk begleitet“, sagt Magdalene Hartig (Waren), die langjährige Vorsitzende der Hauptgruppe Mecklenburg. Am 07. September übergab sie den „Staffelstab“ an Hans-Georg Meyer aus Hagenow.

OKR A. Flade auf dem Weg in den Gottesdienst mit Magdalene Hartig und Hans-Georg Meyer
OKR A. Flade auf dem Weg in den Gottesdienst mit Magdalene Hartig und Hans-Georg Meyer

„Eigentlich hatte ich zugesagt, den Vorsitz im Gustav-Adolf-Werk in Mecklenburg nur ganz kurz zu übernehmen“, erzählt Magdalene Hartig, „aber dann sind irgendwie doch zwanzig Jahre daraus geworden.“ Begonnen hat das Engagement der Pfarrfrau aus Rittermannshagen bereits vor 1977. „Damals habe ich erfahren, dass viele Christen im sozialistischen Ausland keine Bibeln und andere christliche Bücher hatten. Wie konnte man ohne Bibel sein!“ Damals schickte das Gustav-Adolf-Werk  Bibeln in evangelische Gemeinden in Rumänien und Kasachstan – und Magdalene Hartig begann mitzuhelfen. „Jeder durfte ja nur eine bestimmte Anzahl dieser Bücher verschicken – und so brauchte man einfach viele Adressen, um viele Bücher zu den dortigen Christen zu bringen.“
Ab 1979 folgte die Mitarbeit im Vorstand. „Die Büchersendungen waren ja nur ein kleiner Teil der Arbeit – und durch das GAW habe ich Menschen kennen gelernt, mit denen ich sonst niemals in Kontakt gekommen wäre.“ Dabei waren es insbesondere die Begegnungen mit den ausländischen Gästen, die für Magdalene Hartig prägend für ihr eigenes Leben geworden sind. „Wenn man mal mitbekommt, unter welchen armseligen Umständen die Menschen in manchen Ländern leben, dann empfindet man manche oft gehörte Klage nur noch als grundloses Gejammere.“
Ganz besonders tief hat sie eine Begegnung mit brasilianischen landlosen Bauern berührt: „Diese Leute hatten ein Stück Land besetzt. Sie wussten nicht, ob sie dort bleiben konnten oder ob sie wieder mit ihren Familien weiterziehen mussten, ob sie ins Gefängnis geworfen würden oder wie ihr Zukunft aussieht – und gerade dort, in dieser angespannten Situation, feierten die Menschen einen Gottesdienst, legten ihr Schicksal in Gottes Hand und sangen Loblieder – von diesem gelebten Glauben und Gottvertrauen können wir uns hier mehr als eine Scheibe abschneiden!“
Die Begegnungen mit anderen Menschen, Lebensentwürfen und Lebensumständen war und ist immer wieder eine neue Motivation für die Arbeit des GAW. „Ich merke immer wieder, wie diese Erfahrungen für mich die Verhältnismäßigkeit in unserer Gesellschaft wieder herstellen – so sind beispielsweise in einem rumänischen Altenheim Zwölf-Bett-Zimmer keine Seltenheit – und dann mach ich mir wieder klar, wie gut wir es heute hier haben.“ Ein Wissen, dass sie gerne teile. Die Besuche der ausländischen Gäste führen regelmäßig in verschiedene Kirchengemeinden und stellen so Verbindungen zwischen den Menschen her.
Obwohl die Aufgaben des GAW sich kaum verändert haben, ist doch die Arbeit mit der „Wende“ anders geworden. Die Besuche aus dem Ausland zum Beispiel sind immer noch beliebt – aber „zu DDR-Zeiten war es so, als ob Gott persönlich kommt“, erinnert sich Magdalene Hartig.


Dankeschön für geleistete Arbeit von Michael Spatzler aus der Zentrale in Leipzig
Dankeschön für geleistete Arbeit von Michael Spatzler aus der Zentrale in Leipzig

In jüngster Zeit hat das GAW Mecklenburg viele Evangelische Schulen im eigenen Land unterstützt, oft bereits seit ihrer Gründung. „Das ist auch ganz großartig, wie die Kinder dort lernen können und welche besonderen Schwerpunkte es dort oft gibt“, schwärmt die ehemalige Katechetin. Trotzdem sieht sie die Unterstützung von sozialen Projekten nur als einen Teil der Aufgaben: „Der Bau und Erhalt von Gemeinderäumen und Kirchen ist in vielen Ländern fast nicht möglich – aber eine Gemeinde braucht einen Ort der Begegnung, wo auch die kirchliche Arbeit möglich ist“, erklärt Magdalene Hartig. „Darum müssen wir diese Bauprojekte auch weiter unterstützen.“
In diesem Jahr sammelt das GAW die Gelder für ein Straßenkinderprojekt in Rumänien. „Dort leben 4-5jährige Kinder alleine auf der Straße – sie werden mit diesem  Projekt unserer evangelischen Partnergemeinde einen warmen und sicheren Lebensplatz, ausreichend Nahrung und Schulbildung bekommen“, erzählt sie.
Magdalene Hartig legt nun den Vorsitz in jüngere Hände, bleibt aber im Vorstand noch einige Zeit erhalten. „Naja, jetzt können auch mal die Jüngeren ran“, lächelt Magdalene Hartig.


Grußwort von Uwe Haberland
Grußwort von Uwe Haberland

Es war ein bewegender und gelungener Abend, dieser 07. September 2010. Die Glocken der St. Georgienkirche Waren riefen zum Gottesdienst anlässlich der Verabschiedung der bisherigen Hauptgruppenvorsitzenden Magdalene Hartig und der Einführung von Hans-Georg Meyer als dem neuen GAW-Vorsitzenden der Hauptgruppe Mecklenburg durch Oberkirchenrat Flade. Angehörige und Weggefährten von nah und fern kamen an diesem Abend zusammen, von Leipzig bis Greifswald, von Schönböken bis Hannover, Schwerin und vielen Orten unserer Landeskirche. Auch die Vertreter der Evangelischen Schulen waren gekommen. Es hatten Worte der Ehrung, Erinnerungen, Amüsantes, Musik und gute Wünsche ihren Platz beim anschließenden Empfang. Und so wie engagierte Arbeit über viele Jahre der Arbeit Freude, Durchhaltevermögen und Gottvertrauen benötigte, so bedurfte es ganz einfach dieses festlich gestalteten Begegnungsabends für das Abschiednehmen bzw. für das Neu-Ergreifen von Aufgaben.