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Fahrt der Zweiggruppe MV nach Siebenbürgen


Reisebericht von Britta Siebenbürgen

Fahrt der Zweiggruppe Mecklenburg des Gustav-Adolf-Werkes vom 06.04. – 12.04.18

Den Wunsch, nach Siebenbürgen zu reisen, hatte ich schon sehr lange. Aber es gab immer Hindernisse, die den Zeitpunkt der Reise nach hinten verschoben. Am 31.10.2017 wurde während des gemeinsamen Gottesdienstes der Kirchengemeinden Ribnitz, Damgarten und Wustrow für das Gustav-Adolf-Werk gesammelt. Das Gustav-Adolf-Werk unterstützt u. a. seit vielen Jahren Evangelische Gemeinden in Siebenbürgen. Im April 2018 war eine Fahrt nach Siebenbürgen geplant, um bereits unterstützte Gemeinden und deren Projekte zu besuchen. Wenn das kein Zufall ist? Ich entschloss mich kurzerhand mit auf diese Reise zu gehen.

Die von Arpad Csabay (Kirchengemeinde Sülstorf) sehr gut vorbereitete Reise startete am 06.04.2018 in Hamburg/Flughafen. Dort trafen die Reisenden aus verschiedenen Kirchengemeinden zum Teil erstmalig zusammen. Unsere Reise sollte uns von Bukarest über Kronstadt (Brasov), Halmàgy, Porumbacu de Sus, Hermannstadt (Sibiu), Sura Mica, Heltau, Klausenburg (Cluj), Oradea bis nach Arad führen. Ein straffes Programm für diese Zeit.

Ich schreibe während der Reise an einem Reisetagebuch, um die vielen Eindrücke und Erlebnisse für meine Familie festzuhalten.

In Bukarest werden wir bereits von unserem Busfahrer Doru Popa erwartet. Bereits in Kronstadt (Brasov) ist uns Reisenden bewusst, dass wir eine harmonische Reisegesellschaft sein würden. Uns einigt der Wunsch, die Kirchengemeinden und das Leben in Siebenbürgen näher kennenzulernen.

Das vielfache Hintergrundwissen unserer Mitreisenden Dr. Barbara Gubalke, die in jungen Jahren in Rumänien Medizin studierte, hilft uns sowohl sprachlich als auch bei besonderen kulinarischen Leckereien.

In Halmàgy sind wir mit Magda Attila verabredet. Sie ist die Frau des örtlichen Pastors Bandi Attila. Vom ersten Augenblick sind wir von der positiven Energie dieser jungen Frau fasziniert. Sie hat so wie ihr Mann in Deutschland studiert. Beide haben sich während des Studiums kennengelernt. Allein von dem Pastorengehalt können Magda und ihr Mann nicht leben. Daher arbeitet Bandi Attila auch als Landwirt. Sie bewirtschaften 20 ha und halten 4 Kühe. Zusätzlich arbeitet Magda in einer deutschen Schule als Lehrerin. Sie sagt: „Wir haben ein gutes und erfülltes Leben“. Magda erzählt von den Kindern ihrer Gemeinde, die sie zum Teil nur 1x im Jahr sieht, da sie in Deutschland oder Kanada leben. Dabei spricht sie von ihren Kindern, die zur Gemeinde gehören und die jedes Jahr mit ihren Familien nach Halmàgy fahren. Die Abwanderung junger Menschen u. a. nach Deutschland, hat fatale Folgen für die Familien und die Kirchengemeinden vor Ort. Magda zeigt uns das Gemeindehaus und stellt uns ihre Arbeit mit den Dorffrauen vor. Um Spenden für den Erhalt der Kirche und das Gemeindehaus zu sammeln, treffen sich die Frauen regelmäßig und stellen Nudeln her. Von dem Erlös konnten sie bereits Geschirr für 100 Personen kaufen. Dieses Geschirr wird für diverse Feierlichkeiten vermietet. Von dem Erlös können dann Arbeiten an der Kirche oder dem Gemeindehaus durchgeführt werden. Dem Anblick von Hand hergestellter frischer Nudeln können Regina, Dirk und Susanne unserer Reisegruppe nicht widerstehen. Sie sorgen mit dem Kauf der Nudeln nicht nur dafür, dass Magda und ihre Frauen sehr bald frische Nudeln herstellen müssen, sondern auch für eine weitere Spende zugunsten notwendiger Reparaturarbeiten an der Kirche. Diese junge Frau bleibt uns nachhaltig in guter Erinnerung. Wir sind tief bewegt von dieser Begegnung und fahren weiter zu unserer nächsten Station.

Den herzlichen Empfang in Porumbacu de Sus von Martha und ihrem Mann wird wohl niemand unserer Reisegruppe vergessen können. Martha und ihr Mann ermöglichen seit 45 Jahren Kindern im Alter von 8 Jahren bis 18 Jahren während der Sommermonate eine Ferienfreizeit für jeweils 1 Woche. Willkommen sind alle Kinder. Inzwischen sind diese Ferienfreizeiten so beliebt, dass sie bereits als offener Geheimtipp gelten. Wir treffen dort auch auf die Initiatoren des Freundeskreises Osteuropa e. V. Dorothee, Christiane und Ramona, die sehr eindrucksvoll über ihre seit 1991 bestehende ehrenamtliche Arbeit u. a. für die Suchtklinik in Sura Mica berichten. Es ist ein ganz besonderer Abend mit herrlichem Essen, selbstgepflücktem Tee, berührenden Geschichten und schönen Gesängen. Wir alle spüren den unerschütterlichen Glauben, der Martha und ihren Mann seit jeher Kraft und Freude an ihrer Arbeit mit (ihren) Kindern gibt. Die einfache Unterkunft am Rande eines Waldes, mit einem Brunnen auf dem Hof und einer berührenden Stille strahlt eine unglaubliche positive Kraft aus. Der Abschied, mit einem Versprechen auf ein Wiedersehen, fällt uns allen schwer.

Unsere nächste Station wird Hermanstadt (Sibiu) sein. Ich freue mich auf diese Stadt, die kulturell und architektonisch ein großer Gegensatz zur ländlichen Idylle von Porumbacu de Sus ist. Wir haben traumhaftes Frühlingswetter, es schon fast frühsommerlich warm.

Unser heutiges Nachtquartier ist das Bischofspalais im Zentrum von Sibiu. Schnell sind die 3 Bett-Zimmer aufgeteilt. Ich fühle mich an meine Zeit im Internat zurück versetzt. Wir besuchen den Gottesdienst der deutschen evangelischen Gemeinde. Die Liturgie ist anders als gewohnt. Der Talar des Pastors wirkt wie das Gewand eines Kosaken, sehr schnittig. Die Gemeinde ist klein aber sehr lebendig. Tilman trifft dort Hans und Hilde Klein, die uns für den nächsten Morgen spontan zu einem Frühstück zu sich nach Hause einladen. Es wird eine sehr gemütliche Frühstücksrunde im Hause Klein. Ich erfahre dabei, dass es den Namen Siebenbürgen in Siebenbürgen nicht gibt. Eventuell haben die Vorfahren meines Mannes diesen Namen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland aus alter Heimatverbundenheit angenommen? Ich werde dies in der Familie nach meiner Rückkehr besprechen.

In Heltau werden wir bereits von Pfarrer Zoràn Kèzdy und einem jungen Gästeführer erwartet. Während unseres Rundganges durch die Kirchenburg erfahren wir viel Wissenswertes über die Geschichte und den vergessenen Kirchenschatz. Wir sind zu Kaffee und Siebenbürgischem Hochzeitskuchen eingeladen. Die Gemeinde hat derzeit noch 300 Mitglieder, ist aber sehr lebendig.

Nach weiteren Eindrücken u. a. in Klausenburg (Cluj), dem dortigen Treffen mit dem Bischoff oder dem Besuch des evangelischen Kindergartens in Oradea, findet unsere Reise ihren krönenden Abschluss in Arad auf einem Weingut. Bereits während unserer Abschlussrunde ist uns Reisenden bewusst, dass wir reich beschenkt von dieser Reise zurückkehren werden. Wir haben Menschen getroffen, die zuversichtlich und selbstverständlich ihren Glauben leben und teilen. Dieser Glaube motiviert über Grenzen hinweg und gibt uns Zuversicht und Kraft, weitere Projekte zu unterstützen und zu begleiten.

Bilder aus Siebenbürgen

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