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Begegnungsfahrt nach Slowenien


Mit großer Freude habe ich den Bericht von Pastor Heye Osterwald über seine
Begegnungsfahrt mit einer Gruppe aus seiner Gemeinde nach Slowenien gelesen.
Zu dieser kleinen Kirche mit ihren 20000 Gemeindegliedern bestehen seitens des
GAW Nordkirche seit vielen Jahrzehnten  enge freundschaftliche Beziehungen.

Mein Vorgänger im Amt, der 1991 verstorbene Pastor Ernst Fischer,
begründete eine persönliche Freundschaft mit Pastor Ludviik Josar
aus der Kirchengemeinde Bodonci. Ich vermag mich noch sehr gut an
so viele Begegnungen mit Pastor Josar im Rahmen unserer jährlichen
Mitgliederversammlungen erinnern und weiß auch um die Gegenbesuche
der Familie Fischer in Bodonci.

Vom Oktober 2002 bis Mai 2003 war Dorothea Frauböse für acht Monate
vom GAW Schleswig Holstein zu einem Einsatz als Praktikantin
in die Gemeinde vom heutigen  Bischof  Gesa Filo in Ljubljana  sowie in die
Gemeinde von Simona  Prosic  in Gornji  Slaveci  entsandt.

Meine Frau und ich sind in den vergangenen Jahren in regelmäßigen Abständen
Gäste der Familie Prosic gewesen, haben  ihre Gemeinde und ihre kleine
Kirche kennen- und schätzengelernt.
Wir erinnern uns  in gleicher Weise, wie auch Heye Osterwald, der  überaus herzlichen
Gastfreundschaft , die uns  bei unseren Besuchen entgegengebracht wurde.


Uwe Haberland


Bericht der Reisegruppe aus Hamburg

Die kleine Evangelische Kirche A.B. in Slowenien – Kleine Kirche ganz groß (Gedanken zur Gruppenreise nach Slowenien vom 20.-24. Februar 2019)

Rein statistisch ist die Evangelische Kirche A.B. in Slowenien sehr klein, knapp 10 000 Mitglieder zählt sie, das sind etwa 0,9 % der Landesbevölkerung. Dennoch kennt man sie in Slowenien sehr gut und zollt ihr große Anerkennung. Das hohe Ansehen geht auf den Reformator Primus Truber (1508-1586) zurück, der mit der Verschriftlichung der slowenischen Sprache dem Land seine Identität schenkte. Pfarrerin Simona Prosic überreichte jedem unserer Reisegruppe eine 1-Euro-Münze, auf der Primus Truber abgebildet ist.
 
Anläßlich des diesjährigen Weltgebetstages besuchten wir, eine Gruppe aus Gemeinden der Propstei Harburg und anderer Kirchen aus dem Süderelbe-Raum, eine Woche vor dem Weltgebetstag Slowenien. Los ging es mit der Bahn von Hamburg nach Wien, von Wien weiter mit einem Kleinbus nach Prekmurje, zu deutsch Übermur. Prekmurje, das ist ein kleines Gebiet nördlich des Flusses Mur, im äußersten Nordosten des Landes, Heimat des größten Teiles der evangelischen Gemeinden, nicht weit entfernt der Landesgrenzen nach Österreich, Ungarn und Kroatien. Das Zentrum von Prekmurje heißt Murska Sobota, hier waren wir in einem Hotel untergebracht. Von Murska Sobota aus besuchten wir die Gemeinden in den kleinen Ortschaften dieser wunderschönen Landschaft.
 
Die Gemeindebesuche bleiben in nachhaltiger Erinnerung. Diese Gastfreundschaft!!! Überall wurden wir herzlich empfangen. Nicht nur von der Gemeindepfarrerin/vom Gemeindepfarrer; nein, ganze „Empfangskomitees“ hießen uns in den Gemeinden willkommen, und so gab es die Möglichkeit zu intensiven Gesprächen auch mit den Gemeindemitgliedern. Viele von den älteren Frauen erzählten in bestem deutsch von ihren Aufenthalten in Deutschland oder Österreich, wo sie als „Gastarbeiterinnen“ einige Jahre lebten und arbeiteten. Die Möglichkeit eine Arbeit zu finden ist zwar inzwischen etwas leichter geworden, vergleicht man die Löhne in Österreich und Slowenien, so gibt es nach wie vor ein großes Gefälle.

Ein Thema wurde von den Pfarrern immer wieder betont, das der „Säkularisierung“. Beide Kirchen, die Römisch-Katholische und die Evangelisch-Lutherische führten im sozialistischen Jugoslawien ein Schattendasein, spielten keine große innergesellschaftliche Rolle, sollten dieses auch nicht. Nach der Wende gab es keinen großen Zuwachs in den Kirchen. Wie kommt man an die Menschen heran, für die der christliche Glaube keine Rolle spielt? Diese Frage stellen wir uns ja auch in Deutschland und wissen, dass es keinen Königsweg gibt. Pfarrer Leon Novak und seine Gemeinde in Murska Sobota gehen neue Wege. Neue Gottesdienstformen werden in seiner schönen neugotischen Kirche angeboten, Formen, die junge Familien anziehen. Dazu gehört besonders auch die Musik. Am Sonntag spielt eine junge Band moderne Lieder, die bei den Gottesdienstteilnehmern gut ankommen. Auch besondere Gottesdienste, wie z.B. Familiengottesdienste locken Menschen in die Kirche.

Sehr bemerkenswert war für unsere Gruppe, mit welch großem Engagement die Pfarrerinnen und Pfarrer das Leben ihrer Gemeinde beschrieben. Hier merkte man allerdings auch, wie wichtig die Arbeit der Pastoren in einer kleinen Diasporakirche ist. Deutlich wurde uns das an Pfarrerin Simona Prosic, mit der wir zwei Tage zusammen sein konnten. Neben der Arbeit in ihrer Gemeinde in Gornji Slaveci und der Arbeit als Mutter von zwei Kindern hat sie auch das Amt als Referentin für Frauenarbeit inne. Sie organisiert Seminare und bietet Bibelarbeiten an. Sie schafft Räume für Begegnungen für Frauen aus den Gemeinden, aber auch darüber hinaus. 2017 fand ein Seminar für Frauen aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien statt; alte, durch den Krieg verschüttete Kontakte, konnten auf diese Weise erneuert werden.
Am letzten Tag vor unserer Abreise besuchten wir die Hauptstadt Ljubljana und trafen Bischof Geza Filo. Auf beeindruckende Weise schilderte uns der Bischof seine Aufgaben. Als Vertreter einer kleinen Minderheit ist ihm sehr an einem guten Miteinander mit dem Bischof der großen Römisch-Katholischen Kirche gelegen. Das funktioniert nur über einen guten persönlichen Kontakt. Knapp 60% der Slowenen zählen sich zur RÖK, das sind über eine Million Mitglieder.

Interessant war die Äußerung des Bischofs, dass die Evangelische Kirche sich in den Jahren 2015/2016 sehr für die Flüchtlinge eingesetzt und mit ihrer Hilfe in der Stadt auf sich aufmerksam gemacht hat. Diakonische Hilfe ist der Kirche ein zentrales Anliegen, in der Hauptstadt und auf dem Land. Es gibt viele soziale Probleme. Die „Evangelicanska humanitarna organizacija Podpornica“ (EHO), so nennt sich das Diakonische Werk in dem kleinen Ort Podpornica, unterstützt Menschen am Rande. „Einer trage des anderen Last“ ist das Leitwort der Organisation. Sie verleiht Pflegebetten an Familien, die einen Platz in einem Altenheim nicht bezahlen können und ihre bettlägerigen Angehörigen zu Hause versorgen. Sie verteilt Essenspakete an Bedürftige, versorgt täglich 80 Personen mit einer warmen Mahlzeit. Das alles organisieren Sozialarbeiter Joze Rituper und Pfarrer Peter Andrejcak, und freiwillige Helferinnen und Helfer.

Am Sonntag, den 24. Februar fuhr uns der Kleinbus wieder nach Wien zum Hauptbahnhof. Knapp 1500 km haben wir in den fünf Tagen unseres Aufenthaltes zurückgelegt. Unser Fahrer Marinko Turk hat uns sicher hin und hergefahren, unser Dank gilt ihm ganz besonders. Unser großer Dank gilt aber auch allen, die uns ihr Land und die Evangelisch-Lutherische Kirche A.B. in Slowenien nahegebracht haben, den vielen Menschen, die wir haben kennenlernen dürfen und die uns Einblick in ihr Leben geschenkt haben. Dankbar und bereichert sind wir wieder nach Hamburg zurückgekehrt.

Heye Osterwald

PS: Das GAW hat ein sehr lesenswertes Heft anläßlich des Weltgebetstages herausgegeben. Das Heft mit dem Titel „…alles ist bereit…- Evangelisch in Slowenien“, kann über die GAW-Zentrale in Leipzig für 5,00 € bestellt werden.


Bilder aus Slowenien

  • Altstadt Ljubljana
  • Gastfreundschaft
  • Bischof Geza Filo
  • Kirche in Murska Sobota
  • Reisegruppe aus Hamburg